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    Möglichkeiten der Phytotherapie bei Hauterkrankungen

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    Kategorie: SCHWERPUNKT
    Veröffentlicht am Mittwoch, 23. November 2011 13:46

    Möglichkeiten der Phytotherapie bei Hauterkrankungen

    von Priv.- Doz. Dr. Petra Staubach

    Die Haut ist eines der größten Organe des Körpers und bietet als Grenzfläche zwischen Körper und Umgebung eine große Angriffsfläche. Somit ist sie von vielen Faktoren abhängig und beeinflussbar z. B. Umwelt, Stress. Zusätzlich ist sie durch die anatomischen Gegebenheiten in das psychoneuro-immunologische Geschehen des Körpers stark involviert. 70 Prozent der Hauterkrankungen sind chronisch, viele vererbbar und bedeuten für den Patienten eine erhebliche Reduktion der Lebensqualität z. B. Psoriasis vulgaris, Neurodermitis.
    Im Folgenden soll beispielhaft auf Dermatosen und deren phytotherapeutische Optionen eingegangen werden.

     

    Entzündliche Hauterkrankungen


    Ekzem
    Ein Ekzem ist eine entzündliche Veränderung der Haut mit unterschiedlichen Morphen, die akut oder chronisch auftreten kann. Je nach Ursache oder Triggerfaktor unterscheidet man verschiedene Ekzemtypen:
    Allergisches (Kontakt)-Ekzem
    Endogenes Ekzem (auch Neurodermitis, atopisches Ekzem genannt)
    Irritationsekzem
    Hyperkeratotisches Ekzem
    Nummuläres Ekzem
    Seborrhoisches Ekzem


    Endogenes oder atopisches Ekzem (Neurodermitis)


    Was bedeutet eigentlich ATOPIE?
    Der Begriff „Atopie“ beschreibt die genetisch determinierte Bereitschaft, gegen bestimmte exogene, möglicherweise auch endogene Stoffe empfindlich zu reagieren. Die Folge sind Erscheinungen an Haut- und Schleimhäuten wie Rhinoconjunctivitis allergica, allergisches Asthma oder Ekzeme. Die Leitsymptome sind Juckreiz und beugenbetonte chronisch-rezidivierende Ekzeme. Wichtig ist hier bei Auftreten eine stadiengerechte Therapie begleitet von Präventionsprogrammen, die das Auftreten dieser Symptome weitgehend verhindern soll. Phytotherapeutika haben bei der Therapie des atopischen Ekzems einen hohen Stellenwert.


    Therapievorschläge:


    Bei den meisten Therapeutika bestehen Studienergebnisse zur Neurodermitis und wenige nur bei anderen Ekzemtypen. Die Therapie kann aber auch bei anderen Ekzemsubgruppen erfolgen.


    Nässende Ekzeme sollten mit feuchten adstringierenden bzw. antiseptischen Lokaltherapeutika (Schwarztee, Eichenrinde, Kamille, Weizenkleie) therapiert werden. Bei trockenen Ekzemen werden fettende Externa mit z. B. Süßholzextrakt, Ringelblumen, Bittersüßstängelextrakt , Ballonrebe oder Hamamelisblättern und -rinde sowie Johanniskraut angewandt. Auch Korianderfrüchte sind aufgrund ihrer antiinflammatorischen und adstringierenden Eigenschaften zur Therapie des subakuten superinfizierten Ekzems einsetzbar.


    In schubfreien Zeiträumen steht die rückfettende Pflege der Haut im Vordergrund, wobei dieses Basistherapeutikum immer eine effiziente Fettung und Hydratisierung gewährleisten muss. Hydratisierende Therapeutika mit Harnstoff sind sehr wirksam, der Harnstoffgehalt sollte aber 3 bis 5 Prozent nicht überschreiten, da sonst häufiger Hautbrennen auftreten kann (z .B. Harnstoff Creme oder Emulsion NRF, Tab.1). Birkenteerextrakte sind als Darreichungsform ohne Emulgatoren erhältlich und dienen unter anderem der Pflege der trockenen Haut sowie zur Hornschichthydratation. Spreitende Ölbäder mit Mandelöl, Olivenöl oder Soja (z. B. Paraffin-Soja-Ölbad NRF 11.97).


    In einer prospektiven randomisierten Studie mit 49 Neurodermitikern konnte gezeigt werden, dass die Kombination von Vitamin B12 und Avocadoöl im Hinblick auf Ausdehnung und Schweregrad der atopischen Dermatitis überlegen war nach 8-wöchiger Anwendung.


    Innerlich: Enzympräparate sind bei starker Entzündung wirksam. Eine orale Therapie mit Nachtkerzen-, Borretschsamen- oder Kreuzkümmelöl (d. h. mit Gamma-Linolensäure) ist für Ekzempatienten eine therapeutische Option. Auch Stoffwechseltees sind gerade zum Ausleiten ergänzend zu trinken (z. B. je 2 Teile Sennesblätter, Kümmel, Kamillenblüten und 1 Teil Bittersüß – 2 TL des Tees auf ¼ Liter Wasser). Zistrosenblätter sind zur innerlichen und äußerlichen Behandlung der Neurodermitis bekannt. Bei Kindern konnte gezeigt werden, dass ein Infus der Zistrose lokaltherapeutisch in Kombination mit oraler Anwendung des Zistrosentees zu einer Verbesserung des Hautzustandes führt.


    Psoriasis vulgaris


    Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) ist eine vererbbare schuppende entzündliche Hauterkrankung, die chronisch, häufig schubweise verläuft, besonders an Streckseiten auftritt und auch gerne Kopfhaut, Rima ani und Nägel befällt. Bei Gelenkbeteiligung spricht man von Psoriasisarthritis. Auslösefaktoren eines Schubs sind Infekte, Konsumgifte oder Stressfaktoren, aber auch Medikamente.









    Therapievorschläge:


    Äußerlich: Abschuppende Maßnahmen mit Salizylsäurehaltigen Externa aus der Silberweide (Salizylvaseline 10 % NRF, Harnstoff 10 % NRF) werden kombiniert mit antientzündlichen Externa wie Cignolin (Dithranol Salbe NRF 11.51 in aufsteigender Dosierung). Mahonia aquifolium Creme/Salbe) wirkt entzündungshemmend ebenso wie steinkohlenteerhaltige Externa, welche aber aufgrund des unangenehmen Geruches nicht für jeden Patienten geeignet sind. Cayennepfeffer-Extrakt wird  mit seinem Inhaltsstoff Capsaicin in der Dermatologie seit Jahren eingesetzt. In der Psoriasis Therapie konnte in einer Studie mit fast 200 Patienten eine Reduktion der Schuppung, Infiltration und Erythem sowie des Juckreizes erzielt werden. Cayennepfeffer ist auch als Antipruriginosum therapeutisch einsetzbar z. B. bei Prurigo nodularis. Wichtig ist dabei die niedrige Konzentration des Wirkstoffes beginnend mit 0,025 % und langsam bei Bedarf steigernd bis 0,1 % (Hydrophile Capsaicin Creme NRF 0,025% - 0,1% NRF)


    Physikalische Therapie/Lichttherapie: Bewährte Therapien sind aufweichende Schmierseifenbäder (Sapo kalinus), antientzündliche Sole, Naturmoor- und Kleiebäder. Unterstützend wirken Balneo-Photo- oder Photo-Sole-Therapien sowie Psoralen-UVA-Therapien. Die Knorpelmöhre (Ammi majus) hemmt das Keratinozytenwachstum und ist in Kombination mit UVA-Bestrahlung (PUVA) als Creme und Badezusatz weit verbreitet.  


    Erregerbedingte Hauterkrankungen


    Alle Menschen haben eine physiologische Bakterienflora auf der Haut. Die intakte Haut stellt eine Abwehrbarriere des Körpers dar. Wenn diese z. B. durch häufiges Waschen, Einwirkungen von chemischen Substanzen oder starke Verschmutzung angegriffen wird, kann sie von pathogenen Keimen, v. a. Streptokokken und Staphylokokken oder Pilzen  unterwandert werden. Therapeutisch steht nach der Sanierung der Hautflora die Regeneration der Hautbarriere im Vordergrund.


    Beispielhaft soll hier auf die viralen Hauterkrankungen eingegangen werden. Die häufigsten viralen Hauterkrankungen sind vulgäre Warzen, Dellwarzen (Mollusca), Herpes labialis/genitalis, Herpes zoster und Feigwarzen (Condylomata). Bei therapieresistenten vulgären Warzen im Fußbereich sind Kryotherapien mit flüssigem Stickstoff sehr effektiv, v. a. in Kombination mit salizylsäurehaltigen keratolytischen Pflastern oder Salben NRF.
    Phytotherapeutika wie Schöllkrautsaft und Thuja werden erfolgreich angewendet, eine Kombination intern/extern ist wirkungsvoll. Mollusken, die sich gerne v. a. bei Kindern mit atopischer Diathese schnell vermehren, können erfolgreich mit Zinkschüttelmixturen oder Pasten (gute Compliance über Wochen erforderlich) eingetrocknet werden. Chirurgische Interventionen sind nur im Ausnahmefall notwendig (scharfer Löffel). Feigwarzen im Analbereich sind mit dem Maiapfel (Podophyllum) therapierbar. In den letzten Jahren konnten Studien mit standardisiertem Grünteeextrakt eine sehr gute Wirksamkeit nachweisen.


    Schleimhautveränderungen


    Bei Soor wurden Myrrhe und Kümmelöl als fungizid beschrieben. Auch Pinselungen mit Blutwurz in Kombination (Tormentill-Myrrhe-Adstringens NRF 7.1) oder Salbeiblätter-, Melissenblätter-, Kamillenblütenextrakt sind bei Mundschleimhautveränderungen wie Aphthen oder Lichen ruber mucosae wirkungsvoll.









    Chronische Venöse Insuffizienz


    Die CVI ist eine weitverbreitete Erkrankung. Sie kann bei unzureichender früher therapeutischer Intervention zu Ödemen und Ulcera und damit zu einer langwierigen Erkrankung führen. Hier sind gerade im Anfangsstadium der Erkrankung Phytotherapeutika unbedingt empfehlenswert, da sie in der Lage sind, die Kapillarpermeabilität zu vermindern. Weiterhin können sie den venösen Gefäßtonus und den Lymphabfluss erhöhen. Therapeutika mit Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) sowie Weinrebe (Vitis vinifera) stehen sowohl oral als auch lokal zur Verfügung. Auch Mäusedornextrakt und Buchweizen wirken antiinflammatorisch und ödemreduzierend.


    Literaturverzeichnis
    Augustin M: Naturheilverfahren bei Hauterkrankungen. 1. Aufl. Stuttgart; 2002.
    Augustin M, Hoch Y: Phytotherapie bei Hauterkrankungen. Grundlage - Praxis - Studien. 1. Aufl. München: Elsevier GmbH; 2004.  
    Kraft K., Stange R. Naturheilverfahren. Hippokrates Verlag; 2010.
    Neues Rezeptur-Formularium. Deutscher Arzneimittel-Codex. Govi Verlag; 2010.

    Priv.- Doz. Dr. Petra Staubach
    Hautklinik und Poliklinik
    Universitätsmedizin Mainz  
    Langenbeckstraße 1
    55131 Mainz, Deutschland
    Tel +49 6131 175244
    Fax +49 6131 175594
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