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    Taigawurzel

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    Kategorie: PFLANZE DES MONATS
    Veröffentlicht am Mittwoch, 25. Januar 2012 08:04

    Taigawurzel

    Eleutherococcus senticosus

     

    von Reinhard Länger

     

    In vielen Regionen Asiens spielen in der traditionellen Medizin so genannte Adaptogene eine große Rolle. Das Herbal Committee der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) publizierte ein Dokument, in dem Adaptogene näher charakterisiert werden:
    Adaptogene sollen die Fähigkeit besitzen, durch Stress beeinträchtigte Körperfunktionen zu normalisieren und zu stärken. Adaptogene sind im Allgemeinen nicht toxisch und weisen eher unspezifische pharmakologische Eigenschaften auf. Sie sollen die Resis-tenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren steigern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulantien soll eine durch Adaptogene gesteigerte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder abfallen. Obwohl zahlreiche Versuche unternommen wurden, dies mit klinischen Studien zu belegen, ist der Begriff Adaptogen nach wie vor in der wissenschaftlichen Phytotherapie nicht generell akzeptiert und wird daher im Bereich der traditionellen pflanzlichen Arzneimittel verwendet.

    Als Beispiele für Arzneipflanzen, auf die diese Definition zutrifft, werden Ginseng (Panax ginseng), Chinesische Beerentraube (Schisandra chinensis), Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) genannt. Außer Rhodiola rosea, die auch in unseren Alpen heimisch ist, kommen die anderen genannten Arten ausschließlich in Asien natürlich vor.

    Eleutherococcus senticosus, ein Strauch, der in Nordostasien beheimatet ist, wird zur Familie der Araliengewächse (Araliaceae) gestellt. Aufgrund seiner Ähnlichkeit im Blütenstandsbereich wurde diese Art früher sogar einmal in der Gattung Hedera, Efeu, geführt. Die Ähnlichkeiten in der Morphologie und der Art der Anwendung ließen auch eine nähere Verwandtschaft mit Ginseng vermuten. Die Inhaltsstoffe der Taigawurzel weichen aber sehr deutlich sowohl von Efeu als auch von Ginseng ab, weshalb die Stellung in einer eigenen Gattung gerechtfertigt erscheint. Die deutschsprachige Bezeichnung als „Sibirischer Ginseng“ ist daher irreführend und sollte nicht verwendet werden. Eleutherococcus ist eine 2-häusige Pflanze, das bedeutet es gibt weibliche und männliche Individuen. Die Äste sind dicht mit Stacheln besetzt (senticosus = dornenreich), die Laubblätter sind wie bei vielen Aralien handförmig geteilt. Das Wurzelmaterial zur Herstellung von Extrakten stammt meist aus Wildsammlungen in Russland.

    Die Inhaltsstoffe der Taigawurzel wurden ursprünglich einfach Eleutheroside genannt (von Eleutherosid A bis Eleutherosid M). Dahinter verbergen sich aber nicht Vertreter einer einheitlichen Stoffgruppe, sondern Lignane, Sterole, Triterpene, Cumarine, Phenylpropane etc.

    Die Anwendung der Taigawurzel war und ist in Russland äußerst populär. Es heißt, dass Leistungssportler angehalten waren, Präparate zur Leistungssteigerung zu nehmen (die Taigawurzel findet sich aber nicht auf der WADA-Dopingliste). Nach der Katastrophe von Tschernobyl sollte die Bevölkerung mit Taigawurzel gestärkt werden. Im Gegensatz zu dieser hohen Wertschätzung steht der geringe Grad an Evidenz zur Wirksamkeit, was sicher auch mit methodischen Schwierigkeiten für klinische Prüfungen zu erklären ist. Weder eine adaptogene Wirksamkeit noch eine Steigerung der physischen Leistungsfähigkeit (etwa bei Sportlern) konnte bislang nachgewiesen werden.

    Möglicherweise steckt das Geheimnis dieser Pflanze, ähnlich wie bei Ginseng, in der langdauernden Einnahme, traditionell ist auch die kurmäßige Einnahme bekannt. In Österreich sind zurzeit keine Arzneimittel mit Taigawurzel zugelassen.

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