Myroxylon/Perubalsam
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- Kategorie: PFLANZE DES MONATS
- Veröffentlicht am Montag, 28. November 2011 10:07
Myroxylon/Perubalsam
von Univ. -Doz. Mag. pharm. Dr. Reinhard Länger

Peru war früher jenes Land, über das der Export von Balsamum peruvianum erfolgte, die Gewinnung erfolgte aber in Mittelamerika, heute vorwiegend in San Salvador. Der Balsam wird vom Baum Myroxylon balsamum var. pereirae* (Fabaceae) gewonnen.
Der gesunde Baum bildet keinen Balsam, erst durch Verletzungen wird die Balsamproduktion induziert. Das wird gezielt genutzt: Bäume ab einem Lebensalter von etwa 10 Jahren werden nach der Regenzeit zum Teil entrindet und diese Stellen anschließend mit Fackeln geschwelt. Dieser Wundreiz regt die Balsambildung an, die nach wenigen Tagen einsetzt. Traditionell wird der Balsam mit Lappen aufgefangen, die später ausgepresst und mit Wasser ausgekocht werden. Nach Versiegen des Balsamflusses kann noch einmal geschwelt und Balsam gesammelt werden. Danach wird dem Baum eine Erholungsphase von einigen Jahren gewährt, bis die Prozedur am gleichen Individuum wiederholt werden kann.

Ein Balsam besteht aus Harz, das in ätherischem Öl gelöst ist. Der Harzanteil des Perubalsams ist noch nicht exakt analysiert worden, es sollen vor allem Benzoesäure- und Zimtsäureester von höheren Alkoholen beteiligt sein. Wesentliche flüchtige Komponenten des braunen, nach Vanille riechenden Balsams sind Ester des Benzylalkohols mit Benzoesäure bzw. Zimtsäure (Benzylbenzoat bzw. Benzylcinnamat); das flüssige Gemisch dieser beiden Ester (früher als Cinnamein bezeichnet) muss nach Europäischem Arzneibuch im Perubalsam in einer Menge von 45.0 bis 70.0 Prozent vorliegen.
Die wundheilenden Eigenschaften des wohlriechenden Perubalsams und dessen Anwendung in der traditionellen Medizin sind offenbar für die Spanier, die 1530 die Balsamküste besetzten, sehr beeindruckend gewesen, die ersten schriftlichen Aufzeichnungen in Europa datieren bereits aus 1568.
Obwohl es keine klinischen Prüfungen mit Perubalsam gibt, ist die Wirksamkeit unter den Anwendern unbestritten. Im klinischen Bereich, vor allem bei schwer heilenden Wunden, wussten früher viele erfahrene Pfleger und Ärzte Perubalsam als letzte, aber sichere Chance zu nutzen.

Heute wird Perubalsam sehr kritisch betrachtet, nicht wegen des fehlenden Wirksamkeitsbelegs, sondern wegen der häufig auftretenden allergischen Reaktionen. Er zählt zu den bedeutendsten Kontaktallergenen. Bislang ist nicht bekannt, welche Komponenten für die sensibilisierenden Effekte verantwortlich sind. Aus Gründen der Vorsicht wird deshalb, auch bei sehr schwer heilenden Wunden, heute kaum mehr an Perubalsam als Alternative gedacht. Ein Test auf Sensibilisierung des Patienten vor einer Behandlung könnte hier eine gewisse Sicherheit geben.
Perubalsam ist als Wirkstoff in den zugelassenen Arzneispezialitäten Mamellin Salbe und Rombay - Salbe für Kinder, sowie in einigen Veterinärspezialitäten und apothekeneigenen Arzneispezialitäten enthalten.
Von Myroxylon balsamum var. balsamum, einer nahe verwandten Art, wird der Tolubalsam* gewonnen. Dieser Baum wächst vorwiegend in Kolumbien und Venezuela. Clusius erhielt den damals hochgeschätzten Balsam als große Seltenheit in London und brachte ihn 1581 nach Wien. Tolubalsam, mit feinerem Aroma als Perubalsam, wird traditionell bei Katarrhen der Atemwege verwendet. Derzeit ist Tolubalsam in keiner Arzneispezialität enthalten.
*gr. myron: Salbe, Balsam; xylon: Holz, Baum. Pereira, Tolu: Städte in Kolumbien. Jonathan Pereira: Professor d. Pharmazie in London, † 1853.