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    von Univ. -Doz.  Mag. pharm. Dr. Reinhard Länger

     

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    Aloe

    Arzneipflanze des Monats aus Afrika

    Aloe

     

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    Aloe

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    Kategorie: PFLANZE DES MONATS
    Veröffentlicht am Montag, 28. November 2011 09:14

    Arzneipflanze des Monats aus Afrika

    Aloe

     

     

    von Univ. -Doz.  Mag. pharm. Dr. Reinhard Länger

    Aloe Pflanzen wurden schon in vorchristlicher Zeit in ihren Heimatländern (vorwiegend im afrikanischen, aber auch im arabischen Raum) zu Heilzwecken verwendet. Von Alexander dem Großen ist überliefert, er habe Aloe-Pflanzen in Wagen mitgeführt, um auf Feldzügen frisches Wundheilungsmaterial für seine Krieger zur Verfügung zu haben.

    Die Gattung Aloe umfasst über 300 Arten, als Stammpflanzen für die Gewinnung der Arzneibuch-Aloe sind Aloe barbadensis (Curaçao-Aloe), Aloe ferox (Kap-Aloe), aber auch andere Arten und Hybriden definiert worden. In der modernen taxonomischen Literatur wird die Bezeichnung A. barbadensis allerdings nicht mehr als gültig akzeptiert, der korrekte Name dieses Taxons lautet nun Aloe vera (L.) Burm. f.


    Das Aloe-Blatt ist in eine schmale, grüne, relativ feste äußere Zone und einen großen farblosen, schleimigen, inneren Bereich gegliedert. Entlang der Grenze äußerer – innerer Bereich sind die Gefäßbündel angeordnet, deren Phloemteil nach außen zeigt (seltenes Beispiel eines unifazialen Blattes). Um den Phloemteil der Gefäßbündel ist halbkreisförmig eine Schicht größerer Zellen entwickelt, in denen die Hydroxyanthracenderivate gespeichert werden. Der farblose innere Bereich besteht aus dünnwandigen, sehr großen Zellen, die mit Schleim gefüllt sind. Beim Anschneiden der Blätter tritt sofort der gelbe, anthrachinonreiche Saft der Zellen um die Gefäßbündel aus, während der Mittelbereich aufgrund der hohen Viskosität im Blatt verbleibt.


    Bei der in unseren Apotheken erhältlichen Arzneidroge namens Aloe handelt es sich um den ausgeflossenen oder ausgepressten Saft der Blätter, der eingedampft oder luftgetrocknet als bräunliche Masse seit Jahrhunderten gehandelt wird. Er enthält je nach verwendeter Pflanzenart größere Mengen von Hydroxyanthracenderivaten,darunter vorwiegend Aloin (Curaçao-Aloe mindestens 28 %, Kap-Aloe mindestens 18 %). Hydroxyanthracenglykoside werden im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert, aber von der Darmflora in laxierend wirkende Metabolite umgewandelt. Der abführende Effekt kommt durch eine Steigerung der Motilität des Darms, eine gesteigerte Sekretion von Flüssigkeit in das Darmlumen und eine reduzierte Resorption von Flüssigkeit aus dem Lumen zustande. Die abführende Wirkung von Aloe ist sehr stark und ist mit dem häufigen Auftreten von Nebenwirkungen wie Magenschmerzen und Krämpfen im Verdauungstrakt verbunden. Deshalb ist Aloe derzeit auch nicht mehr in phytotherapeutischen Arzneispezialitäten am Markt, in der Homöopathie findet Aloe gemäß der Ähnlichkeitsregel unter anderem bei Stuhlinkontinenz Anwendung.

    Aloe-Blatt Querschnitt, die austretenden Hydroxyanthracenderivate sind durch Zugabe von Kalilauge rot gefärbt.

     


    Vom eingetrockneten Saft zu unterscheiden ist das Aloe-Gel, das aus dem Saft der geschälten Blätter verschiedener Aloe-Arten gewonnen wird. Dieses für Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel verwendete Gel ist nahezu farblos und sollte weitgehend anthrachinonfrei sein, da die Gewebeteile mit den anthrachinonführenden Zellen beim Schälen entfernt werden. Wichtige Inhaltsstoffe des Aloe-Gels sind Polysaccharide mit einer Molekülmasse von bis zu 450.000 Dalton.


    Präparate mit Aloe-Gel (derzeit keine Arzneimittel) werden zur „Behandlung“ von Hauterkrankungen verschiedenster Genese bis hin als Wundermittel zur Krebsbehandlung propagiert. Ein Vergleich der Produkte ist schwierig: es fehlen Angaben zur botanischen Zuordnung der verwendeten Pflanzen, der Gewinnung des Gels, zu den Zusätzen zur Stabilisierung des Rohgels sowie über den Grad der Verdünnung des Rohgels. Offizielle Standardisierungen gibt es nicht, Regulierungen von Vermarktungsgemeinschaften tragen wenig zur Klärung bei, da sie relativ willkürlich sind und nicht mit den in klinischen Untersuchungen verwendeten Produkten korrespondieren.


    Auch wenn die klinische Datenlage verbesserungswürdig ist, sollte die entzündungshemmende Wirkung des Gels auf der Haut nicht unterschätzt werden: den Saft aus einem frisch angeschnittenen Blatt auf den Sonnenbrand verteilen, die betroffenen Hautpartien gut vor weiterer Sonneneinstrahlung schützen. Am nächsten Tag sind die Symptome deutlich gelindert! Geeignete Aloe-Pflanzen findet man in jeder gut sortierten Gärtnerei.

     

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